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Lokales

Die 11 besten Sehenswürdigkeiten in Sendling

Vom uralten Dorfkern mit Kirche und Schmied-von-Kochel-Denkmal über die Großmarkthalle bis zum Flaucher an der Isar: ein Streifzug durch Münchens unterschätzten Stadtbezirk 6.

Von Malte Graf | 21. Juni 2026
Die 11 besten Sehenswürdigkeiten in Sendling © Foto: Rufus46 / Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)
Der Turm der Neuen Pfarrkirche St. Margaret überragt den Margaretenplatz im Herzen von Sendling.

Sendling steht selten in den Münchner Reisetipps. Wer das erste Mal in die Stadt kommt, wird zum Marienplatz, ins Englische Garten oder nach Schwabing geschickt, fast nie in den Stadtbezirk 6 südwestlich der Altstadt. Dabei ist Sendling älter als München selbst und liegt nur wenige U-Bahn-Minuten vom Zentrum entfernt.

Wer den kurzen Weg auf sich nimmt, findet ein Viertel mit eigenem Dorfkern, einer der größten Markthallen Europas, einem der schönsten Isar-Abschnitte und einer Geschichte, die bis ins Jahr 782 zurückreicht. Elf Orte, die zeigen, warum sich der Abstecher lohnt. Mehr über das Werden des Viertels liest du in unserer Geschichte von Sendling.

Was dich erwartet

1. Alte Pfarrkirche St. Margaret

  • Adresse: Plinganserstraße 1, 81369 München
  • Eintritt: frei
  • Geeignet für: Geschichtsinteressierte, Spaziergänger
  • Verkehr: U-Bahn Harras (U6), wenige Minuten zu Fuß

Am alten Dorfkern, dort wo die Lindwurmstraße in die Plinganserstraße übergeht, steht die Alte Pfarrkirche St. Margaret. Sie markiert den Kern des einstigen Bauerndorfs Sendling, das schon im Jahr 782 als "Sentilinga" urkundlich erwähnt wurde und damit deutlich vor der Stadtgründung Münchens 1158 existierte.

In der Sendlinger Mordweihnacht 1705 wurde die Kirche beim blutig niedergeschlagenen Aufstand der oberbayerischen Bauern gegen die kaiserlichen Truppen schwer beschädigt. Der heutige barocke Bau entstand 1711 bis 1712 als Wiederaufbau. Im Inneren erinnert ein Gemälde an das Gemetzel jener Weihnacht, bei der rund 1100 Aufständische ums Leben kamen.

2. Schmied-von-Kochel-Denkmal

  • Adresse: Lindwurmstraße, gegenüber der Alten Pfarrkirche, 81369 München
  • Eintritt: frei
  • Geeignet für: Geschichtsinteressierte, Bayern-Fans
  • Tipp: jährliche Gedenkfeier rund um Weihnachten

Gegenüber der Alten Pfarrkirche, auf der anderen Seite der Lindwurmstraße, steht das bronzene Denkmal für den Schmied von Kochel. Der Sage nach soll er als letzter der Aufständischen in der Mordweihnacht 1705 gefallen sein, eine Symbolfigur des bayerischen Bauernwiderstands.

Ob der Schmied wirklich gelebt hat, ist historisch nicht belegt, er gilt eher als Verkörperung des Freiheits- und Kampfwillens der Bauern. Die Statue wurde 1911 vollendet, gestaltet von Carl Sattler und Carl Ebbinghaus. Auf dem Sockel steht die Widmung an die oberbayerische Landeserhebung und die Sendlinger Bauernschlacht von 1705.

3. Neue Pfarrkirche St. Margaret

  • Adresse: Margaretenplatz 1, 81373 München
  • Eintritt: frei
  • Geeignet für: Architekturfreunde, Kirchenbesucher
  • Verkehr: U-Bahn Harras (U6), Bus und Tram in der Nähe

Am Margaretenplatz erhebt sich die mächtige Neue Pfarrkirche St. Margaret, ein Bau im Stil des italienischen Hochbarock. Die Kirche entstand zwischen 1902 und 1913 nach Plänen des Münchner Architekten Michael Dosch, der 1910 starb und durch Franz Xaver Boemmel ersetzt wurde.

Der Turm ist 85,50 Meter hoch. Da Sendling höher liegt als die Altstadt, ragt seine Spitze über dem Meeresspiegel sogar weiter empor als die Türme der Frauenkirche, ein Detail, auf das die Sendlinger gern verweisen. Auch diese Kirche steht im Zeichen der Mordweihnacht, an die sie erinnern soll. Wer die Gegend rund um den Margaretenplatz erkundet, findet hier Wochenmarkt, Cafés und alteingesessene Geschäfte.

4. Stemmerhof

  • Adresse: Plinganserstraße 6, 81369 München
  • Eintritt: frei
  • Geeignet für: Familien, Genießer, Kulturfreunde
  • Tipp: Hofladen, Hoftheater und Stemmerwiese nebenan

Der Stemmerhof ist Münchens letzter erhaltener Bauernhof und ein Stück gelebte Dorfgeschichte mitten in der Großstadt. Erstmals 1382 urkundlich erwähnt, blieb er bis in die frühen 1990er-Jahre als landwirtschaftlicher Betrieb in Funktion, länger als jeder andere Hof im Stadtgebiet.

Heute sind unter seinem Dach rund 25 Betriebe versammelt, vom Hofladen über Werkstätten und Läden bis zum Hoftheater. Man kann einkaufen, essen und Kultur erleben, alles in einem Ambiente, das eher an einen Dorfplatz als an ein Münchner Wohnviertel erinnert. Die angrenzende Stemmerwiese lädt zum Verweilen ein.

5. Flaucher

  • Adresse: Isarauen zwischen Brudermühlbrücke und Thalkirchen
  • Eintritt: frei
  • Geeignet für: Badegäste, Grillfreunde, Familien
  • Saison: ganzjährig, am beliebtesten Mai bis September

Der Flaucher ist der vielleicht beliebteste Isar-Abschnitt der ganzen Stadt. Zwischen Brudermühlbrücke und der Grenze zu Thalkirchen ziehen sich naturbelassene Kiesbänke, kleine Sandstrände und Auwald an den verzweigten Flussarmen entlang. Im Sommer wird hier gebadet, gegrillt und gefeiert.

Seinen Namen trägt das Gebiet nach der Gaststätte "Zum Flaucher", die Johann Flaucher um 1870 gründete und die als Biergarten bis heute besteht. Trotz der vielen Besucher ist der Flaucher ein erstaunlich artenreiches Stück Natur: Hier brüten Eisvögel, und an den Hängen wachsen sogar Orchideen.

6. Großmarkthalle München

  • Adresse: Thalkirchner Straße / Kochelseestraße, 81371 München
  • Eintritt: nur mit Führung zugänglich
  • Geeignet für: Neugierige, Foodies, Frühaufsteher
  • Verkehr: Bus 132, Haltestelle Großmarkthalle

Die Großmarkthalle ist der drittgrößte Umschlagplatz für Lebensmittel in Europa und versorgt rund fünf Millionen Menschen im Großraum mit Obst, Gemüse und Blumen. Eröffnet wurde sie am 14. Februar 1912 an der Thalkirchner Straße, ein gewaltiger Komplex aus mehreren Hallen, der bis heute in Betrieb ist.

Verkauft wird hier ausschließlich an den Handel, nicht an Privatkunden. Wer trotzdem einen Blick hinter die Kulissen werfen will, kann an einer der regelmäßigen Führungen teilnehmen, die in den frühen Morgenstunden durch das geschäftige Treiben führen. Treffpunkt ist das Westtor an der Thalkirchner Straße.

7. Harras

  • Adresse: Harras, 81369 München
  • Eintritt: frei
  • Geeignet für: Stadtbummler, Architekturfreunde
  • Verkehr: U-Bahn Harras (U6), S-Bahn, mehrere Buslinien

Der Harras ist das pulsierende Zentrum Sendlings, ein Verkehrsknoten, an dem U-Bahn, S-Bahn, Tram und Busse zusammentreffen. Mit seinen Geschäften, Cafés und Arztpraxen funktioniert der Platz wie eine kleine Stadt in der Stadt. Das markante alte Postgebäude aus den frühen 1930er-Jahren prägt das Bild.

Rund um den Harras lohnt der Blick nach oben: In der Aberlestraße, der Valleystraße und den umliegenden Wohnstraßen haben sich viele Häuser mit Jugendstilfassaden aus der Zeit um 1900 erhalten. Wer hungrig ist, findet hier zahlreiche Bäckereien und Lokale.

8. Margaretenplatz und Sendlinger Wochenmarkt

  • Adresse: Margaretenplatz, 81373 München
  • Eintritt: frei
  • Geeignet für: Marktgänger, Familien, Genießer
  • Markt: samstags am Vormittag

Der Margaretenplatz vor der Neuen Pfarrkirche ist einer der lebendigsten Treffpunkte des Viertels. An Samstagvormittagen verwandelt sich der Platz in einen Wochenmarkt mit regionalem Obst und Gemüse, Käse, Brot und Blumen, ein Ort, an dem sich Nachbarn treffen und das dörfliche Erbe Sendlings spürbar wird.

Rund um den Platz reihen sich kleine Läden, Bäckereien und Lokale. Der Margaretenplatz zeigt das heutige Sendling im besten Licht: zentral und gut angebunden, aber mit einer Gemütlichkeit, die das Viertel von den hippen Innenstadtquartieren abhebt.

9. Alter Israelitischer Friedhof

  • Adresse: Thalkirchner Straße 240, 81371 München
  • Eintritt: nur bei Führungen zugänglich
  • Geeignet für: Geschichtsinteressierte, stille Besucher
  • Tipp: Termine über die Israelitische Kultusgemeinde

An der Thalkirchner Straße liegt der Alte Israelitische Friedhof, 1816 angelegt und bis 1907 belegt. Er ist eines der bedeutendsten Zeugnisse jüdischen Lebens in München und ein Ort des Gedenkens. Mehrere Denkmäler erinnern an die Opfer der nationalsozialistischen Judenverfolgung.

Aus Gründen der Pietät ist der Friedhof nur einige Male im Jahr im Rahmen von Führungen für die Öffentlichkeit zugänglich. Wer die Gelegenheit nutzt, betritt einen stillen, von hohen Bäumen beschatteten Ort, der inmitten der Stadt eine eigene, würdevolle Atmosphäre bewahrt hat.

10. Neuhofener Berg

  • Adresse: rund um den Neuhofener Park, 81371 München
  • Eintritt: frei
  • Geeignet für: Familien, Aussichtssuchende, Rodler im Winter
  • Highlight: Rundpavillon und Blick über das Viertel

Der Neuhofener Berg ist kein natürlicher Hügel, sondern aus Trümmerschutt des Zweiten Weltkriegs aufgeschüttet worden, ein begrünter Berg von rund 7,5 Hektar mitten im dicht bebauten Sendling. Oben steht ein Rundpavillon, von dem aus man einen weiten Blick über die Dächer des Viertels hat.

Im Sommer ist der Park ein beliebter Ort zum Picknicken und Entspannen, im Winter wird der Hang zur Rodelbahn für Familien. Eine Skulptur und ein kleines Mahnmal erinnern an die Herkunft des Berges aus den Trümmern der zerstörten Stadt.

11. Südbad

  • Adresse: Valleystraße 37, 81371 München
  • Eintritt: Tarife der Stadtwerke München
  • Geeignet für: Schwimmer, Familien, Saunagänger
  • Geöffnet: ganzjährig, Hallen- und Freibadbereich

Das Südbad an der Valleystraße war 1960 das erste Stadtteilbad Münchens und ist bis heute eine Institution in Sendling. Es verbindet einen Hallenbadbereich mit einem Freibad und mehreren Saunen, ein Ort, an dem Generationen von Sendlingern schwimmen gelernt haben.

Anders als die großen Erlebnisbäder der Stadt ist das Südbad ein bodenständiges Nachbarschaftsbad ohne Schnickschnack, mit treuem Stammpublikum. Im Sommer ist die Liegewiese gut gefüllt, im Winter wärmt die Sauna nach dem Bahnenziehen.

Drei Geheimtipps für später
  • Biergarten Zum Flaucher: traditionsreicher Biergarten von 1870 mitten in den Isarauen
  • Tannengarten: historischer Biergarten an der Pfeuferstraße, schattig und seit 1889 erhalten
  • Sendlinger Friedhof: stiller alter Friedhof von 1872 an der Albert-Roßhaupter-Straße

Ausblick: Sendling im Wandel

Sendling bleibt eines der Viertel, die sich beständig verändern, ohne ihren Charakter zu verlieren. Rund um den Harras und entlang der Lindwurmstraße entstehen neue Läden und Lokale, während der alte Dorfkern mit Kirche, Stemmerhof und Denkmal bewusst gepflegt wird. Das Spannungsfeld aus Tradition und Großstadt macht den Reiz des Bezirks aus.

Sendling ist kein Ort, an dem man eine Liste abhakt. Es ist ein Viertel, in dem man einen Nachmittag am Flaucher verbringt, über den Margaretenplatz schlendert, im Stemmerhof einen Kaffee trinkt und sich wundert, dass man hier, nur wenige Minuten vom Marienplatz entfernt, fast ein Dorf gefunden hat. Wer noch tiefer eintauchen will, findet bei den Stadtteilen von Sendling einen Überblick über die einzelnen Ecken.

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