Kaum ein Gesicht steht so sehr für den Aufbruch der späten 1960er wie ihres. Uschi Obermaier war das bekannteste deutsche Fotomodell ihrer Zeit und wurde zur Ikone einer Generation, die mit den Konventionen ihrer Eltern brach.1
Was viele nicht wissen: Diese ganze Geschichte beginnt in Sendling.
Geboren wurde Uschi Obermaier am 24. September 1946 in München, aufgewachsen ist sie im sogenannten Scherbenviertel mitten im Arbeiterstadtteil Sendling.1
Wir haben nachgeschaut, was aus der wohl wildesten Tochter des Viertels geworden ist.
Vom Sendlinger Scherbenviertel in die große weite Welt
Uschi Obermaier kam am 24. September 1946 in München zur Welt. Ihre Kindheit verbrachte sie zunächst bei ihrer alleinerziehenden Mutter im Sendlinger Scherbenviertel, später heiratete die Mutter erneut.1
Hinter der vermeintlichen Vorstadtidylle sah es nicht immer rosig aus. Die Ehe der Eltern war angespannt, der Vater kam immer seltener nach Hause.2
Mit gerade einmal 13 Jahren verließ sie die Schule und begann eine Lehre als Fotoretuscheurin beim Süddeutschen Verlag, weil sie eigentlich Grafikerin werden wollte.2
Die Enge von Elternhaus und Stadtteil hielt sie nicht lange. Discotheken und Clubs wurden zu ihrer zweiten Heimat, hier entdeckte die Modebranche die junge Münchnerin.1
Ende der 1960er ging es dann steil bergauf. Uschi Obermaier wurde zum gefragtesten Fotomodell Deutschlands und stand vor den Kameras von Stars wie Helmut Newton und Richard Avedon, 1973 erschien sie sogar in der US-amerikanischen Vogue.1
Berühmt machte sie aber nicht nur das Modeln. 1968 lernte sie bei den Internationalen Essener Songtagen Rainer Langhans kennen und zog zur Berliner Kommune 1, jener Wohngemeinschaft, die zum Symbol der antiautoritären Bewegung wurde.1
Mit Langhans sprach sie offen in den Medien über ihre Beziehung und die freie Liebe. Damit wurde sie endgültig zur Projektionsfläche einer ganzen Generation und zum Inbegriff weiblicher Selbstbestimmung jener Jahre.1
Später folgten Jahre auf Reisen mit Dieter Bockhorn, mit dem sie die halbe Welt bereiste, bis er 1983 bei einem Motorradunfall in Mexiko ums Leben kam.1
Einer breiten jüngeren Öffentlichkeit wurde ihr Leben 2007 noch einmal in Erinnerung gerufen. Der Kinofilm Das wilde Leben unter der Regie von Achim Bornhak erzählte ihre Geschichte, Natalia Avelon spielte die Hauptrolle.1
Was Uschi Obermaier heute macht (Stand 2026)
Vom Trubel der alten Tage ist heute wenig geblieben, und das ist ganz nach ihrem Geschmack. Uschi Obermaier lebt seit ihrem Umzug 2020 zurückgezogen an der Algarve im Süden Portugals.3
Davor hatte sie fast drei Jahrzehnte in den USA gelebt, die meiste Zeit im Topanga Canyon bei Los Angeles. Den Schritt nach Portugal beschrieb sie als bewusste Entscheidung für ein neues Leben, weil sie das Gefühl hatte, in Kalifornien zu stagnieren.3
Heute wohnt sie auf einem rund zwei Hektar großen Grundstück in der Natur, mit ihren Hunden an ihrer Seite. Auf Instagram teilt sie Eindrücke aus diesem ruhigen Alltag zwischen Garten, Wasser und Sonne.4
Beruflich ist sie ihrem zweiten Standbein treu geblieben. Schon in Kalifornien hatte sie sich als Schmuckdesignerin einen Namen gemacht, ihre große alte Werkbank brachte sie sogar mit nach Portugal.3
Außerdem arbeitet sie seit 2023 an einem sehr persönlichen Projekt. Sie entwickelt eine Dokumentation über ihr eigenes Leben, an der sie diesmal von Anfang an selbst beteiligt sein will, statt dass andere über sie schreiben.3
Ein festes Veröffentlichungsdatum gibt es dafür bislang nicht. Klar ist nur, dass die einstige Vorzeigerebellin auch mit Ende 70 nicht stillsitzen mag.3
Der Sendling-Bezug
Auch wenn zwischen der Algarve und München heute Welten liegen, der Anfang dieser Geschichte liegt fest in Sendling. Hier wuchs Uschi Obermaier auf, hier verbrachte sie Kindheit und Jugend.1
Das Scherbenviertel, in dem sie groß wurde, war ein typischer Arbeiterteil des Stadtteils. Genau aus dieser bürgerlichen Enge wollte sie heraus, und das prägte ihren Drang nach Freiheit ein Leben lang.2
Wer durch Sendling läuft, bewegt sich also auf den Spuren einer echten Weltbürgerin, deren Wurzeln im Münchner Süden liegen. Wie sich der Stadtteil über die Jahrzehnte verändert hat, kannst du in unserer Geschichte von Sendling nachlesen.
Und wenn du wissen willst, wie die einzelnen Ecken zwischen Harras und Isar heute ticken, lohnt ein Blick in unsere Übersicht der Stadtteile von Sendling.
Ausblick
Ganz von der Bildfläche verschwinden wird Uschi Obermaier wohl so schnell nicht. Mit ihrer geplanten Dokumentation und ihrer Schmuckarbeit bleibt sie kreativ aktiv, auch fernab des großen Rampenlichts.3
Im September 2026 feiert sie ihren 80. Geburtstag, voraussichtlich nicht mit großer Party, sondern in aller Ruhe an der Algarve.4
Ihre Sendlinger Herkunft trägt sie dabei genauso selbstverständlich mit sich wie ihren Ruf als Ikone der Freiheit. Wer mehr über die Menschen erfahren möchte, die das Leben im Viertel heute mitprägen, findet bei uns regelmäßig neue Geschichten aus den Cafés und Treffpunkten in Sendling.
Häufige Fragen zu Uschi Obermaier
Wie alt ist Uschi Obermaier und wann wurde sie geboren?
Uschi Obermaier wurde am 24. September 1946 in München geboren. Im September 2026 feiert sie damit ihren 80. Geburtstag.1
Wo wohnt Uschi Obermaier heute?
Sie lebt seit 2020 zurückgezogen an der Algarve im Süden Portugals, auf einem rund zwei Hektar großen Grundstück in der Natur. Davor hatte sie fast drei Jahrzehnte in Kalifornien gelebt.3
Was macht Uschi Obermaier heute beruflich?
Sie arbeitet als Schmuckdesignerin, ein Handwerk, das sie schon in Kalifornien gelernt hat. Seit 2023 entwickelt sie zudem eine persönliche Dokumentation über ihr eigenes Leben.3
Wofür ist Uschi Obermaier berühmt?
Sie war das bekannteste deutsche Fotomodell der späten 1960er und wurde durch ihre Zeit in der Berliner Kommune 1 zur Ikone der 68er-Bewegung. 2007 wurde ihr Leben im Kinofilm Das wilde Leben mit Natalia Avelon in der Hauptrolle verfilmt.1
Wie hoch ist das Vermögen von Uschi Obermaier?
Zu Uschi Obermaiers Vermögen gibt es keine seriösen, offiziell bestätigten Angaben.