Sendling liegt im Südwesten von München, direkt südlich der Ludwigsvorstadt und der Isarvorstadt, und zieht sich von den dicht bebauten Altbaustraßen rund um den Harras bis hinunter an die Isar mit ihren Kiesbänken am Flaucher. Der alte Bauerndorfkern, die mächtige Großmarkthalle und die hohe Bevölkerungsdichte machen Sendling zu einem der charaktervollsten Viertel der Stadt.
Wer hier wohnt oder den Stadtteil besser kennenlernen will, stößt schnell auf erstaunliche Zahlen, eine blutige Episode der bayerischen Geschichte und Orte mit besonderer Bedeutung. Wir haben 31 Fakten über Sendling zusammengetragen. Jeder Fakt trägt am Ende eine Nummer, die per Klick zur passenden Quelle springt, deren genaue Adresse sich dort per Mauszeiger anzeigen lässt.
Größe, Lage und Bevölkerung
1. Rund 41.000 Menschen leben in Sendling
Sendling ist der Stadtbezirk 6 der Landeshauptstadt München. Ende 2024 zählte der Bezirk rund 41.000 Einwohner und gehört damit zu den mittelgroßen unter den 25 Münchner Stadtbezirken. Auf vergleichsweise kleinem Raum lebt hier eine ganze Reihe von Menschen, was Sendling sein lebendiges, urbanes Gepräge gibt.1
2. Nicht einmal vier Quadratkilometer Fläche
Mit einer Fläche von rund 3,94 Quadratkilometern, also etwa 394 Hektar, gehört Sendling zu den flächenmäßig kleineren Stadtbezirken Münchens. Der Bezirk reicht vom dicht bebauten Norden bis an die Isarauen im Osten und Süden. Trotz der überschaubaren Größe passt hier auf engem Raum erstaunlich viel hinein.2
3. Über 10.000 Einwohner pro Quadratkilometer
Aus der kleinen Fläche und der hohen Einwohnerzahl ergibt sich eine Bevölkerungsdichte von rund 10.400 Menschen je Quadratkilometer. Sendling zählt damit zu den am dichtesten bebauten Vierteln Münchens. Die typischen Altbauten und Genossenschaftshäuser stehen vor allem im Norden eng beieinander, während die Isarauen für Luft sorgen.3
4. 1877 nach München eingemeindet
Das einst selbstständige Dorf Sendling wurde am 1. Januar 1877 nach München eingemeindet. Mit dem Anschluss an die wachsende Stadt und den Ausbau der Eisenbahn begann der Wandel vom Bauerndorf zum dicht bebauten Arbeiterviertel. Aus dem Ortskern und den umliegenden Feldern wurde Schritt für Schritt ein Teil der Großstadt.4
5. Erstmals um 782 als "Sentilinga" erwähnt
Sendling gehört zu den ältesten Siedlungen auf heutigem Münchner Stadtgebiet. Erstmals schriftlich erwähnt wurde der Ort um das Jahr 782 als "Sentilinga". Damit ist der Stadtteil deutlich älter als die Stadt München selbst, die erst 1158 gegründet wurde.5
6. Untersendling, Mittersendling und die alten Felder
Historisch gliedert sich Sendling in mehrere Teile: den nördlichen Ortskern Untersendling, den südlichen Kern Mittersendling sowie die früheren landwirtschaftlichen Flächen des Sendlinger Ober- und Unterfelds und das Gebiet Neuhofen. Diese alte Aufteilung erklärt bis heute, warum der Stadtteil so unterschiedliche Gesichter zeigt, vom Altbauquartier bis zum begrünten Hügel.6
7. Knapp 28 Prozent ohne deutschen Pass
Sendling ist ein international geprägtes Viertel. Knapp 28 Prozent der Einwohner haben keine deutsche Staatsangehörigkeit, der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund liegt noch höher. Diese Mischung spiegelt sich im Alltag wider, in den Geschäften, Lokalen und auf den Plätzen rund um den Harras.7
8. Eines der am dichtesten bebauten Viertel Münchens
Der nördliche Teil Sendlings besteht überwiegend aus Wohnbebauung aus der Zeit vor 1919 sowie aus Genossenschaftshäusern. Rund um den Harras prägen Jugendstilfassaden das Straßenbild. Diese gewachsene, dichte Struktur macht Sendling zu einem typischen Münchner Altbauviertel mit kurzen Wegen. Wer hier einen Kaffee sucht, wird in unserer Übersicht zu den Cafés in Sendling fündig.8
Geschichte und Wahrzeichen
9. Die Sendlinger Mordweihnacht von 1705
Das wohl bekannteste Ereignis der Sendlinger Geschichte ist die Sendlinger Mordweihnacht. In der Nacht zum 25. Dezember 1705 wurde während des bayerischen Volksaufstands gegen die österreichische Besatzung ein Heer aufständischer Bauern bei Sendling vernichtend geschlagen. Auf bayerischer Seite kamen dabei rund 1.100 Menschen ums Leben.9
10. Viele Aufständische starben nach der Kapitulation
Besonders erschütternd ist, dass kaiserliche Truppen einen Teil der Aufständischen töteten, nachdem diese bereits aufgegeben und die Waffen niedergelegt hatten. Den rund 1.100 Toten auf bayerischer Seite standen nur etwa 40 Gefallene auf kaiserlicher Seite gegenüber. Bis heute erinnern jedes Jahr im Dezember Gedenkveranstaltungen an die Opfer von 1705.10
11. Die alte Pfarrkirche St. Margaret war Schauplatz des Aufstands
Die alte Pfarrkirche St. Margaret in Untersendling war einer der Schauplätze der Mordweihnacht und wurde dabei schwer in Mitleidenschaft gezogen. Der heutige barocke Bau entstand in den Jahren 1711 und 1712 als Nachfolger an gleicher Stelle. Das kleine Gotteshaus zählt zu den geschichtsträchtigsten Orten des Stadtteils.11
12. Die neue St. Margaret ragt höher als die Frauenkirche
Für die wachsende Bevölkerung entstand zwischen 1902 und 1913 die monumentale neue Pfarrkirche St. Margaret. Ihr Turm misst 85,50 Meter, und weil die Kirche auf höher gelegenem Grund steht, liegt die Turmspitze sogar zehn Meter höher als die der berühmten Frauenkirche in der Altstadt. Das mächtige Tonnengewölbe im Inneren erreicht eine lichte Höhe von 26,60 Metern.12
13. St. Korbinian als Werk der 1920er Jahre
Neben den beiden Margaretenkirchen besitzt Sendling mit St. Korbinian eine weitere bemerkenswerte Pfarrkirche, die zwischen 1924 und 1926 errichtet wurde. Sie steht beispielhaft für den katholischen Kirchenbau der Zwischenkriegszeit und ergänzt die religiöse Geschichte des Stadtteils. Zusammen erzählen die Kirchen Sendlings vom Wachstum des einstigen Dorfes zur Großstadtgemeinde.13
14. Der Alte Südfriedhof an der Grenze zu Sendling
Am nördlichen Rand des Stadtteils liegt der Alte Südfriedhof, der 1563 als Pestfriedhof vor den Toren der Stadt angelegt wurde. Von 1788 bis 1868 war er rund 80 Jahre lang die allgemeine Begräbnisstätte für ganz München. Deshalb ruhen hier zahlreiche prominente Münchner wie Carl Spitzweg, Georg Ohm, Justus von Liebig und Joseph von Fraunhofer.14
Wirtschaft und Industrie
15. Die Großmarkthalle ist der drittgrößte Großmarkt Europas
Mit der Großmarkthalle beherbergt Sendling den drittgrößten Großhandelsmarkt für Obst, Gemüse und Blumen in Europa, nur die Märkte in Barcelona und Paris sind größer. Auf einem Gelände von rund 310.000 Quadratmetern an der Schäftlarnstraße nahe der Isar wird ausschließlich an Großhändler verkauft. Eröffnet wurde der Markt am 14. Februar 1912.15
16. Hunderte Betriebe und ein riesiger Warenumschlag
Auf dem Großmarktgelände bieten Importeure und Großhändler Waren aus dutzenden Ländern an, dazu kommen Gärtnerbetriebe, Floristen und weitere Handelsfirmen. Insgesamt arbeiten hier rund 2.500 Menschen, und fast 99 Prozent der Lebensmittel werden mit dem Lkw angeliefert. Damit ist die Großmarkthalle einer der wichtigsten wirtschaftlichen Standorte des Stadtteils.16
17. Über die Zukunft des Großmarkts wird seit Jahren gerungen
Die historischen Hallen der Großmarkthalle sind in die Jahre gekommen, und über einen Neubau wird seit langem diskutiert. Konkrete Pläne befinden sich seit Jahren in der Abstimmung, ein Baustart steht aber bislang aus. Die Neugestaltung des riesigen Areals gehört zu den großen Stadtentwicklungsfragen im Münchner Süden.17
18. Eine industrielle Vergangenheit am Harras
Sendling war lange ein Standort der Münchner Industrie. Hier hatten unter anderem Betriebe wie Siemens, Krauss-Maffei und die Motorenfabrik München-Sendling ihren Sitz. Auch die später bekannte Großmarkthalle diente von 1945 an jahrzehntelang als Zigarettenfabrik, zunächst für Reemtsma und danach für Philip Morris. Heute prägen Wohnen, Handel und Dienstleistungen das Viertel.18
Natur und Freizeit
19. Der Flaucher ist Münchens beliebtester Isar-Strand
Am Ostrand Sendlings liegt der Flaucher, ein grüner Streifen in der Isaraue mit Kiesbänken, Badestellen und einem traditionsreichen Biergarten. An warmen Tagen treffen sich hier die Münchner zum Grillen, Schwimmen und Entspannen am Wasser. Der Name geht auf die Gastwirtschaft "Zum Flaucher" zurück, die der Wirt Johann Flaucher um 1870 eröffnete.19
20. Ein erster Bürgermeister schuf die Isar-Grünanlage
Dass die Isarauen am Flaucher heute frei zugänglich sind, geht auf Jakob von Bauer zurück, der von 1838 bis zu seinem Tod 1854 erster Bürgermeister Münchens war. Er ließ den grünen Auenbereich für die Erholung der Bürger gestalten. Schon 1861 wurde ihm zu Ehren am Flaucher ein Denkmal auf einem Sandsteinsockel enthüllt.20
21. Der Neuhofener Berg lädt zum Rodeln ein
Mitten in Sendling erhebt sich der Neuhofener Berg, eine rund 7,5 Hektar große Parkanlage, die nach dem Zweiten Weltkrieg aus Trümmerschutt aufgeschüttet wurde. Heute ist der Hügel ein beliebter Ort zum Spazieren und Verschnaufen, und im Winter nutzen Familien den Hang gerne zum Schlittenfahren. Solche grünen Inseln sind im dicht bebauten Sendling besonders wertvoll.21
Wohnen und Kosten
22. Hohe Mieten wie überall in München
Wohnen in Sendling ist teuer, wie in ganz München. Bei Neuvermietungen liegen die Angebotsmieten je nach Lage und Quelle im Schnitt deutlich über 20 Euro pro Quadratmeter, in besonders gefragten Straßen auch darüber. Wer in einem so zentralen und gut angebundenen Viertel wohnen will, muss tief in die Tasche greifen.22
23. Mietpreisbremse und qualifizierter Mietspiegel
Für ganz München gilt ein qualifizierter Mietspiegel, den der Stadtrat im März 2025 anerkannt hat. Über die Mietpreisbremse darf die Miete bei Neuvermietung in Sendling höchstens zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen. In der Praxis bleibt bezahlbarer Wohnraum im Viertel dennoch knapp.23
Verkehr und Anbindung
24. Der Harras ist Sendlings zentraler Verkehrsknoten
Das Herz des Sendlinger Nahverkehrs ist der Harras. Hier kreuzen sich die U-Bahn-Linie U6, die S-Bahn-Linie S7 sowie zahlreiche Bus- und Tramverbindungen. Von hier aus erreicht man die Innenstadt in wenigen Minuten, was den Harras zu einem der wichtigsten Umsteigepunkte im Münchner Südwesten macht.24
25. An der Implerstraße teilen sich U3 und U6
Am U-Bahnhof Implerstraße in Sendling trennen sich im Süden die Linien U3 und U6 in Richtung Großhadern und Fürstenried. Damit ist der Stadtteil ein wichtiges Scharnier im Münchner U-Bahn-Netz. Über die S-Bahn-Linie S7 ist Sendling vom Harras aus zusätzlich eng mit dem Hauptbahnhof verbunden.25
Politik und Alltag
26. SPD und Grüne prägen den Bezirksausschuss
Wie in vielen innenstadtnahen Vierteln Münchens gehören in Sendling die SPD und die Grünen zu den stärksten politischen Kräften. Bei der Bezirksausschusswahl 2020 lagen beide Parteien deutlich vor der CSU. Der Bezirksausschuss 6 vertritt die Interessen der Sendlinger gegenüber dem Rathaus.26
27. Märkte und Geschäfte für den Alltag
Neben der Großmarkthalle, die nur dem Großhandel dient, sorgen kleine Wochenmärkte, Bäckereien und inhabergeführte Läden für die Nahversorgung im Viertel. Das gewachsene Geschäftsleben rund um den Harras und die Lindwurmstraße gehört zum Reiz des Stadtteils. Wer frisches Brot sucht, findet eine Auswahl in unserer Liste der Bäckereien in Sendling.27
28. Ein Viertel mit jugendstilgeprägtem Gesicht
Wer durch die Straßen rund um den Harras geht, entdeckt zahlreiche Jugendstilfassaden aus der Zeit der Stadterweiterung um 1900. Verzierte Erker, Stuck und schmiedeeiserne Balkone erinnern an die rasche Bebauung Sendlings nach der Eingemeindung. Dieses architektonische Erbe macht das Viertel besonders fotogen.28
Was sich in den nächsten Jahren verändert
29. Sendling wächst kaum noch
Anders als viele Stadtrandlagen ist Sendling bereits weitgehend bebaut, große freie Flächen für neue Wohnviertel gibt es kaum. Die Einwohnerzahl bleibt deshalb seit Jahren vergleichsweise stabil und wächst nur noch langsam. Künftige Entwicklung findet vor allem durch Umbau und Nachverdichtung im Bestand statt.29
30. Das Großmarktareal ist die große Chance
Die größte Veränderung steht Sendling mit der Neugestaltung des Großmarktareals bevor. Auf dem riesigen Gelände an der Isar könnten neben einem moderneren Großmarkt auch Wohnungen, Arbeitsplätze und Grünflächen entstehen. Wie das Areal genau aussehen wird, gehört zu den spannendsten Fragen der Stadtentwicklung im Süden Münchens.30
31. Ein Viertel zwischen Tradition und Großstadt
Sendling bleibt ein Stadtteil der Gegensätze, in dem ein alter Dorfkern, dichte Altbauquartiere, ein europaweit bedeutender Großmarkt und die wilde Isaraue dicht nebeneinanderliegen. Ob am Flaucher, an der Großmarkthalle oder rund um St. Margaret: Die kommenden Jahre entscheiden, wie Sendling seine Geschichte mit dem Wachstum Münchens verbindet. Spannend bleibt es allemal.31